“Warum noch ein Buch über erneuerbare Energien?”
Eine berechtigte Frage und zugleich auch der Beginn des Einführungskapitels des schmalen Bändchens “Erneuerbare Energien” von Peter Hennicke und Manfred Fischedick, erschienen im Verlag C.H. Beck in der Reihe Wissen.
Die Autoren haben den erklärten Anspruch, fern ab von einer unkritischen Euphorie, die Potenziale der EE zu beleuchten.
Eine Prämisse setzen Hennicke und Fischedick dabei schon im Einführungskapitel voraus:
“Die Effizienzsteigerung ist der natürliche Verbündete und die unabdingbare Voraussetzung einer Solarenergiewirtschaft.”
Wenn wir also weitermachen wie bisher, können wir uns den Ausstieg aus der Atomenergie gleich abschminken, dann werden die Unkenrufe der Skeptiker, die schon heute behaupten, EE können nie und nimmer die komplette Energieversorgung in Deutschland sichern, bittere Realität. Dann nämlich galoppiert die rasant steigende weltweite Nachfrage nach Energie der Entwicklung im Bereich EE davon.
Nachdem im ersten Kapitel durch diverse, auch klimatechnische Szenarien, ausgemalt wird, daß dringend eine Umgestaltung der Energieerzeugung eingeleitet werden muss, werden die Autoren dann endlich konkret, aber erst in Kapitel 3 (!) erläutern sie, was EE denn nun überhaupt sind. Den höheren Erkenntnisgewinn hat der Lesende sicherlich, wenn er die Übersicht über die EE-Arten aus Kapitel 3 schon im Hinterkopf hat, wenn er sich Kapitel 2, “mächtige Triebkräfte und Anforderungen”, widmet. Dann wird auch viel nachvollziehbarer, das Systeme mit EE z.B. eine geringere “Systemverletzlichkeit” haben als die zentralistischen Strukturen mit gefährlichen Atomkraftwerken heute. Warum Verlag und Autoren eine solche verwirrende Kapitelabfolge gewählt haben, bleibt unklar.
Im vierten Kapitel schließlich beleuchten die Autoren die Veränderung der Kennzahlen der EE von 2004 bis 2005, von der Energieleistung der EE, über die jährliche Produktion von Strom aus Photovoltaik bis zur Anzahl der Länder mit einer speziellen Einspeisepolitik für EE. Dieser Blick zurück – das Buch erschien 2007 – macht die weltweite Dynamik und die Potentiale der EE deutlich. In gleichen Kapitel erläutern die Autoren außerdem, daß die weitere Entwicklung der EE nicht nur ein Ergebnis der technischen Machbarkeit, sondern auch des politischen Willens sein wird. In Deutschland muß man leider in den vergangenen Monaten besonders an diesem Willen zweifeln. Die Prioritäten liegen eindeutig auf einer Gewinnmaximierung der Energieriesen durch die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken.
“Gesellschaftlich wünschenswerte Ziele und auf kurzfristige Rendite optimierte Unternehmensplanungen klaffen zum Teil stark auseinander.”
Bei allem Optimismus machen sich die Autoren offenbar keine Illusionen darüber, von wem der Impuls für die Energierevolution ausgehen muss: Da die Stoßrichtung der Energie-Riesen weiterhin im Protektionismus ihrer Marktmacht liegt, kann eine Umgestaltung nur durch die Macht der Konsumenten, der Nachfrager, der Bürger/-innen kommen. Dazu sind allerdings breite gesellschaftliche Bündnisse nötig.
Die beschlossene Senkung der Vergütung für die Einspeisung von Solarstrom zeugen nicht von der Absicht der momentanen politischen Akteure, Photovoltaik im großen Stil weiter zu fördern. Das von den Autoren als richtungsweisend gefeierte EEG ist damit stark beschnitten worden.
Die Autoren haben die Hoffnung, daß die Wissenschaft durch Szenarien der möglichen Entwicklungen der Politik Entscheidungshilfen an die Hand gibt. Im Zusammenhang mit dem Austieg aus dem Austieg in Deutschland mutet diese Hoffnung fast romantisch an: Seit Jahrzehnten werden die Politiker eindringlich vor den Gefahren eines “weiter so” gewarnt, die Gutachten, die zu einem solchen Schluß kommen, sind zahllos. Geändert hat sich fast nichts. Der letzte gescheiterte Klimagipfel ist einer der aktuellsten traurigen Belege dafür.
Fazit:
Die Autoren geben den Lesern/-innen umfangreiches Zahlenmaterial an die Hand, um die bisherigen Dynamik der Entwicklung nachzuvollziehen und die Entwicklungspotentiale bewerten zu können.
Die Erklärung von Fachbegriffen ist aber sehr uneinheitlich: Einerseits setzen die Autoren offenbar voraus, der geneigte Leser wisse wohl schon, was unter der “Vergleichmäßigung der Lastganglinie” zu verstehen ist, denn dieses Wortungetüm wird nicht näher erläutert. Gleichzeitig erklären sie aber – zu recht – was ein “Hybridkraftwerk” ist. Es fehlt ein Glossar der verwendeten Fachbegriffe.
Ein weiteres Manko sind die Abbildungen: es wurden offenbar Abbildungen und Grafiken benutzt, die für größere Formate entworfen wurden. Diese mussten stark verkleinert werden, so daß die Lesbarkeit stark abnahm. Außerdem wurde offenbar übersehen, daß der schwarz-weiß-Druck von ursprünglich farbigen Grafiken voraussetzt, daß die Farben in unterscheidbare Grau-Töne umgesetzt werden müssen. Im vorliegenden Band ist dies nicht geschehen, zum Teil ist der Informationsgehalt von Grafiken damit gleich Null.
Besonders in den Kapiteln, die sich mit möglichen Szenarien der Entwicklung befassen wird deutlich, daß der/die Leserin erhebliches Wissen bereits mitbringen muss, um von der Lektüre zu profitieren.
Ein Plus ist die ausführliche Literaturliste im Anhang.
Andre Seismo
Tags: EEG, Erneuerbare Energien, Manfred Fischedick, Peter Hennicke
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